Digitale transformation in der Industrie

Jede Branche spricht über digitale Transformation oder Digitalisierung. Die Industrie ist bekanntlich ein Bisschen langsamer, wenn es um neue Trends und Technologien geht.
Wenn wir über Industrie 4.0 oder Smart Factory sprechen, sprechen wir auch über Digitalisierung.

Digitale Transformation

Was genau heisst digitale Transformation oder Digitalisierung?
Gartner beschreibt sie als den Gebrauch von digitalen Technologien zum Verändern von Geschäfts-Modellen.
In der Industrie bedeutet das Prozess-Optimierung und -Automation basierend auf digitalen Technologien. Dadurch können neue Geschäfts-Modelle erstellt werden.

Nehmen wir das Beispiel einer Firma, welche Frühstücksflocken herstellt. Die Kunden können auf der Webseite ihre eigene Mischung durch Auswahl von Früchten und anderen Zutaten bestellen.
Dazu müssen die Daten vom Webshop zur Produktions-Einrichtung transferiert werden.
Jede Zwischen-Station auf dem Weg dorthin muss in die digitale Kette integriert werden. Der Kunden-Spezifische Prozess endet schliesslich nicht mit der Zusammenstellung der Zutaten. Dieser geht weiter bis die Mischung verpackt und mit der Kunden-Adresse versehen ist. Natürlich ist es auch nötig, über dessen Lieferung Bescheid zu wissen.

Es ist klar ersichtlich, dass dieses Geschäfts-Modell nicht möglich wäre, ohne den ganzen Prozess zu digitalisieren.

Digitale Transformation in der Industrie

Servicifizierung

Das war ein „einfaches“ Beispiel eines neuen Geschäfts-Modells.

Ein grosses Thema ist Servicifizierung.
Das bedeutet, dass klassische Geschäfts-Modelle mit Produkt-Verkauf zum Angebot von Dienstleistungen verändert werden. Bevor ich eine Diskussion auslöse, ob das obige Beispiel bereits eine Dienstleistung ist, nehme ich ein passenderes Beispiel.

Mikron ist ein Hersteller von Fräs-Maschinen. Bis heute verkaufen sie ihre Maschinen als Produkt. Stellen wir uns nun vor, sie würden aufhören, die Maschinen als Produkt zu verkaufen. Stattdessen bieten sie die Dienstleistung Metall-Bearbeitung an.
Die Maschine wird beim Kunden platziert (während der „Dauer der Dienstleistung“). Die Wartung wird durch den Hersteller übernommen, da sie die Maschine durch Fernzugriff überwachen.
Möglicherweise wird sogar der Maschinen-Bediener von Mikron in ihrer Dienstleistung mitangeboten. Der Kunde benötigt also keine eigenen Mikron-Experten.
Der Kunde kann die Maschine nun während einer bestimmten zeit mieten und den Vertrag künden, sobald er keinen Bedarf mehr hat.

Wer sich in der Metall-Bearbeitung auskennt, wird nun bestimmt noch weitere Vorteile dieses Geschäfts-Modells sehen. Falls nicht, beschränken wir uns erstmal auf die beschriebenen.

Die Seite des Anbieters

Das war die Kunden-Sicht. Ändern wir die Perspektive und schauen uns die Sicht des Anbieters an.

Zuerst sei zu erwähnen, dass dies nicht ein anders Geschäftsmodell ist. Es ist vielmehr eine Erweiterung. Die Maschine muss schliesslich immer noch genauso hergestellt werden wie vorher. Das beinhaltet unter anderem die Entwicklung, die Herstellung der Komponenten und die Assemblierung.
Es ist jedoch nun auch nötig, statt sie nach der Herstellung einfach zu verkaufen, noch weitere Prozesse hinzuzufügen. Dazu gehören Wartung, Ressourcen Planung, Transport von einem Kunden zum Nächsten, Versicherungen, Vertragsrecht, Prüfen ob die Ehefrau damit einverstanden ist und viele weitere. Die Liste scheint endlos.

Ein wichtiger zu berücksichtigender Punkt ist, dass der Kunde nun sehr einfach von Mikron zu Okuma wechseln kann, falls er nicht zufrieden ist. Er erhält ja schliesslich alles mit der Dienstleistung: Maschinen-Bediener, Wartung etc.
Mit dem alten Geschäfts-Modell war das einfacher. Die Maschine wurde direkt mit der Auslieferung bezahlt (oder vielleicht bereits vorher). Der Kunde war damit an die Maschine gebunden.
Nun wir der Umsatz über die Zeit generiert.

Warum also sollte das für den Anbieter interessant sein?

Normalerweise wenn eine Dienstleistung angeboten wird, ist der Umsatz am Ende grösser, als mit dem einfachen Verkauf eine Produktes. Zumindest bis zum Ende der Lebenszeit des Produktes.
Aber nebst dem primären Service selbst gibt es noch weitere mögliche Services die angeboten werden können. Sagen wir, man kann die Dienstleistung der Flexibilität kaufen. Um mehr Maschinen-Bediener, für eine temporäre Nachtschicht, zu mieten, müssen diese nur eine Woche vorher bestellt werden. Also eine Art Leistungsvertrag (SLA).

Es sollten nun viele weitere Ideen ersichtlich werden.
(Sorry Gerhard Fischer, ich werde Ihnen meine Ideen nicht gratis anbieten ;-) )

Was ist nun digital?

Wo ist nun der digitale Aspekt daran?

Es wäre etwas kompliziert, das mit dem obigen Beispiel zu erklären. Ich wähle dafür ein einfacheres.

Jeder kennt Audi, den Fahrzeug-Hersteller. Audi produziert die Modelle in 3 Klassen, die A, die R und die RS Klasse. Der Hauptunterschied ist die Leistung. Sie beinhalten auch unterschiedliche Teile, aber beschränken wir uns auf die Leistung.

Nehmen wir an, Audi würde nun nur noch ein einziges Auto pro Modell herstellen. Über eine mobile Schnittstelle kann die höhere Klasse freigeschaltet werden. Eine höhere Klasse für das Auto, welches Sie bereits besitzen. Diese Erweiterung bezahlen Sie pro Zeit bzw. Einsatz.

Der Herstellungs-Preis ist in dem Fall immer gleich. Und natürlich verkauft Audi bereits die tiefste Klasse so, dass die Kosten gedeckt sind.

Dieses Beispiel lässt eine Menge wichtiger Punkte aus. Aber zum Verständnis, was digitale Transformation bedeutet, reicht es.

Nur ein neuer Hype?

Natürlich könnte man nun argumentieren, dass dies lediglich ein neuer Hype ist. Ein Hype der so schnell verschwindet, wie er aufgetaucht ist. Aber Industrie 4.0 ist in vollem Gange. Für mich scheint es nicht, als würde das Thema in den nächsten Jahren gleich wieder verschwinden. Evtl. gibt es einen neuen Namen dafür (Industrie 5.0 ;-) ), aber der Trend wird bleiben.

Wenn sich die Güter-Produktion verändert, ermöglicht dies automatisch auch die Einführung von neuen Geschäfts-Modellen.

Ich gehe davon aus, dass also auch die Digitalisierung Fuss fassen wird. Und Keiner sollte den Zug verpassen, sonst riskiert er die Wettbewerbs-Fähigkeit zu verlieren.

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